Geschichten zwischen Diesseits und Jenseits

6,00

Ein moderner Totentanz, damit hat Max Haushofer diesen Band mit Erzählungen untertitelt. Das ist ernst zu nehmen, denn das Sterben und mögliche Folgeerscheinungen werden in dessen Geschichten aus allen Winkeln betrachtet. In Schlächter ohne Gnade wütet der große Schnitter natürlich besonders unter den Armen und Schwachen, die verordnete Jenseits-Romantik mit Wiederauferstehungsgarantie erscheint als häßliche Durchhalteparole. Aber ist alles, was mit dem Tod zusammen hängt, nur brutal, häßlich und endgültig? Ein Spaziergang unter Schatten läßt einen fragen, was mit dieser Erde passiert, wenn sich die Toten fortlaufend anreichern? Was, wenn nicht alles zerfällt, sondern Spuren übrig bleiben?

Mehr …

Formate: EPUB, MOBI (?)

Kategorie:

Ein moderner Totentanz, damit hat Max Haushofer diesen Band mit Erzählungen untertitelt. Das ist ernst zu nehmen, denn das Sterben und mögliche Folgeerscheinungen werden in dessen Geschichten aus allen Winkeln betrachtet. Der Münchner Statistikprofessor Haushofer, der seine eigenen traurigen Erfahrungen mit dem Tod lieber Menschen zu verarbeiten hatte, betrachtete 1888 den Tod sehr nüchtern, hatte aber angesichts Fortschritte in Naturwissenschaft und Technik auch Hoffnung.

In Schlächter ohne Gnade wütet der große Schnitter natürlich besonders unter den Armen und Schwachen, die verordnete Jenseits-Romantik mit Wiederauferstehungsgarantie erscheint als häßliche Durchhalteparole. Dieser Ungerechtigkeit werden weitere hinzugefügt, etwa die Länge oder Kürze des Lebens. Und außerdem, warum sterben immer die Guten zuerst? Warum hat man selbst mit verderbten Menschen, die nichts als Unglück brachten, im Tod noch Mitleid?

Solche Fragen stellt man sich beim Lesen der Erzählungen. Auch etwaige romantische Fehlinterpretationen von Todesursachen werden in Die Ziffern der Verzweiflung gerade gerückt:

Nur fünf vom Hundert gehen aus Langeweile und Lebensüberdruss in den Tod. Das sind die Humoristen unter den Selbstmördern; sie sind es, welche Abwechselung, Eleganz und Raffinement in das Geschäft der Selbsttödtung bringen. Sie sind auch zu nichts Anderem zu gebrauchen. Das Blatt, welches sie im Buche der der Welt ausfüllen sollten, bleibt leer, nur am unteren Ende des Blattes zeigt sich ein kleiner Kleks.

Aber ist alles, was mit dem Tod zusammen hängt, nur brutal, häßlich und endgültig? Ein Spaziergang unter Schatten läßt einen fragen, was mit dieser Erde passiert, wenn sich die Toten fortlaufend anreichern? Was, wenn nicht alles zerfällt, sondern Spuren übrig bleiben?

Max Haushofer ist zuversichtlich, dass der naturwissenschaftlich-technische Fortschritt den Tod in einem anderen Licht erscheinen lassen wird. Wird es also technische Geräte wie den Thanatographen geben, die es uns erlauben, einen Blick hinter den Vorhang zu werfen? Dass hinter diesem Vorhang etwas sein muss, zeigt sich besonders in der letzten Geschichte Aus fernen Welten. Spuren von Verstorbenen, die als atomare Strukturen überleben können in dieser Form die Erde verlassen und zu anderen Welten aufbrechen. Welche Verheißung!