Hanns Heinz Ewers: Alraune

Frank Braun und das Mädchen Alraune

Hanns Heinz Ewers spricht über Persien u. Persil!! Bearbeiteter Ausschnitt aus Erich Wilke, Deutscher Geist im Ausverkauf, Jugend, Nr. 42, 1930, S. 664
Hanns Heinz Ewers spricht über Persien und Persil!! Bearbeiteter Ausschnitt aus Erich Wilke, Deutscher Geist im Ausverkauf, Jugend, Nr. 42, 1930, S. 664

Abweichend von den üblichen Darstellungen, die zu sehen sind, wenn das Thema auf Hanns Heinz Ewers kommt, zeigen wir ihn hier einmal, wie ihn seine Zeitgenossen wahrnahmen. Uns ist er heute primär über seine fantastischen Geschichten bekannt. In der Weimarer Republik aber war er als Reiseschriftsteller sehr bekannt. Darüber wird noch zu sprechen sein.

Aber auch in der Frank Braun-Trilogie ist das Reisen sehr präsent. Alraune: Die Geschichte eines lebenden Wesens ist nach der Chronologie der Publikation der zweite Band; erstmals erschien der Roman 1911. Ewers beginnt seine Erzählung aber mit der Jugend seines alter egos Frank Braun. Daher veröffentlichen wir diesen Band zuerst.

Frank Braun studiert also noch, und das in einer Stadt am Rhein, mit der wahrscheinlich Bonn gemeint ist. Wie sein Erfinder ist Braun ein Lebemann, läßt nichts aus, schafft es sogar in der Festungshaft, in die er kurzfristig gerät, seinem Vergnügen nachzugehen. Das scheint aber in der Familie zu liegen. Denn der zweite Protagonist, Frank Brauns Onkel Geheimrat ten Brinken, hat auch so seine Gelüste.

Als sich eine Alraunenwurzel selbständig macht, hören die beiden von den seltsamen Mythen und Geschichten, die sich um diese Pflanze ranken. Wie die Alräunchen entstehen, wenn der Samen zum Tode Verurteilter die Erde befruchtet. Frank Braun erfasst sofort die Möglichkeiten und versucht seinen Onkel, der als Mediziner und Universitätsprofessor gern Forschungen anstellt, zu provozieren:

„Oh, du musst es verstehen, Ohm Jakob! – Hörtest du nicht, was er erzählte? – Schaff ein Alraunwesen: eines das lebt, eines das Fleisch hat und Blut! – Du kannst es, Onkel, du allein und sonst kein Mensch auf der Welt!

Geheimrat ten Brinken will das natürlich mit modernsten Methoden der künstlichen Befruchtung erledigen. Und so suchen Onkel und Neffe geeignete … Eltern. Mit seinen Verbindungen hat ten Brinken Zugriff auf verurteilte Verbrecher. Frank Braun setzt seine Kenntnisse ein, um eine Prostituierte zu finden, die das Geschöpf zur Welt bringen soll.

Schließlich wird das Mädchen Alraune geboren, wenn auch unter seltsamen Umständen. Geheimrat ten Brinken will sehen, wie es sich entwickelt und nimmt es in seinen Haushalt auf. Sein Neffe Frank Braun hingegen geht auf Reisen.

Als Frank Braun nach jahrelangen ausgedehnten Reisen in alle möglichen Winkel der Welt zurück kehrt, ist Alraune schon fast erwachsen. Es ranken sich seltsame Gerüchte um sie, es gab auffällig viele Todesfälle in ihrer Umgebung. Trotzdem (Oder vielleicht deswegen?) fühlt er sich von Alraune angezogen. Kann er ihrer unheimlichen Anziehungskraft entgehen? Will er das?