Hans Dominik: Das Ende

Das „Ende“: Treibstoff SR & Hans Dominiks Lebenserinnerungen

Um es gleich vorwegzunehmen: das Wort Ende im Titel bezieht sich nicht auf das Ableben Hans Dominiks. Vielmehr schließen wir mit der Neu-Veröffentlichung seiner Autobiografie Vom Schraubstock zum Schreibtisch auch unsere Reihe der klassischen Dominik-Romane ab. Zusammen mit den Lebenserinnerungen erscheint bei uns der letzte seiner Zukunftsromane: Treibstoff SR.

Die Romane

Ende 2017 hatten wir damit begonnen seine Zukunftsromane wiederzuveröffentlichen, in mehr oder weniger chronologischer Reihenfolge. Gestartet sind wir mit dem Titel Die Macht der Drei, der 1922 zum ersten Mal in Buchform erschien. Nun, Ende 2019, folgt mit Treibstoff SR der letzte der klassischen Zukunftsromane, der erstmals 1940 herauskam. Manch mögen ihn auch unter dem Titel Flug/Fahrt in den Weltraum kennen, so betitelt wurde er nach 1945 verkauft.

Überhaupt: Änderungen wie diese machten die digitale Neu-Ausgabe dieser Romane noch interessanter. Es gibt einen großen Eingriff in Dominiks Werk, der bekannt ist: die erzwungene Änderung des Schlusses des Titels Ein Stern fiel vom Himmel. Ausgerechnet bei einem Band der Professor Eggerth-Trilogie, die eher auf die männliche Jugend abzielte und daher eigentlich politisch ungefährlich sein sollte, musste Hans Dominik einen völlig neuen Schluss erfinden. Daher enthält unsere Version den Original-Text von 1934 und dazu den abweichenden Schluss, der ab 1937 verkauft wurde.

Andere Änderungen, die uns gelegentlich auffielen, waren geringerer Natur. Das betrifft zum Beispiel die Modernisierung der Technik: wurde man in der Erstausgabe noch von richtiger Kavallerie zu Pferde verfolgt, so wurde das später in motorisierte Kavallerie geändert. Oder auch die englische Sprache: spielte Die Macht der Drei noch im reizvollen Neu-York wurde das später zum bekannten New York korrigiert. Unsere Neu-Ausgaben sind keine historisch-kritischen, daher haben wir uns an die ersten Buch-Auflagen gehalten, und überlassen den Rest der Forschung. Es wäre aber reizvoll zu erfahren, ob es noch mehr Änderungen gab.

Schriftsteller oder Ingenieur?

Über Änderungen an seinen Romanen schweigt sich Hans Dominik leider auch in seiner Autobiografie Vom Schraubstock zum Schreibtisch aus. Die Geschichte, die uns Hans Dominik dort erzählt, ist aber nicht so geradlinig, wie der Titel des Bandes nahelegt. Denn Hans Dominik verbringt seine Jugend eigentlich in einem Haus mit literarischem Bezug. Sein Großvater war der Schriftsteller Theodor Mügge, sein Vater Journalist und Verleger. Nach einer etwas mühsamen Schulkarriere, während der er auch einen anderen Vertreter der frühen deutschen SF – Kurd Laßwitz – als Lehrer kennenlernte, verlegt sich Hans Dominik aber auf ein Studium der Elektrotechnik und des Maschinenbaus.

Dominiks schildert die Zeit seiner Ausbildung und seiner praktischen Tätigkeit als Ingenieur sehr anschaulich und gibt so interessante Einblicke in die technische Entwicklung Deutschlands am Umbruch vom 19. zum 20. Jahrhundert. Auf zwei Amerikareisen schaut er sich aber auch die amerikanische Herangehensweise an. Dass er mit der nicht immer einverstanden ist, verarbeitet Dominik in dem teilweise autobiografischen Industrieroman Hochströme, der wohl um 1913 geschrieben wurde, aber erst nach dem Ersten Weltkrieg erschien. Dort beschreibt er auch seine Tätigkeit bei Siemens & Halske und die Umstände, die ihn dazu brachten, sich als selbstständiger Schriftsteller zu versuchen.

Seinem Werdegang entsprechend arbeitete Hans Dominik zuerst für technische Fachzeitschriften und schrieb populärwissenschaftliche Artikel für Tageszeitungen. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges schrieb er auch mehrere Romane, die aber keinen durchschlagenden Erfolg gehabt zu haben scheinen. Erst in der Weimarer Zeit begann Dominik schließlich mit dem Schreiben von Zukunftsromanen, die ihm schließlich den gewünschten Erfolg brachten.

Daneben arbeitete Hans Dominik aber immer wieder an technischen Projekten, schrieb Sachbücher oder Auftragsarbeiten für die Industrie, und bemühte sich um die Verbreitung technischen Wissens. Letztere zum Beispiel als Mitgründer der Technisch-Literarischen Gesellschaft (TELI). Insofern oszillierte der Autor immer wieder zwischen dem technischen und dem literarischen Beruf, wenn auch der letztere deutlich überwog.

Dominiks Lebenserinnerungen enden 1940 mit der Veröffentlichung von Treibstoff SR, sie erschienen dann 1942. Wie Frank Hrachowy in seiner Untersuchung zu Hans Dominik erläutert („Der Autor als Agentur der Moderne. Hans Dominik und die Transformation der populären Literatur“), sind diese Erinnerungen über eine längere Zeit immer wieder von Dominik geändert worden. Dass sie in Kriegszeiten veröffentlicht wurden, mag einen Anteil daran gehabt haben. Insofern sind sie eventuell nicht das abschließende Wort über Dominiks Biografie. Unbenommen bleibt ihnen allerdings, dass sie einen unterhaltsamen Einblick in die Umgebung und Entstehungsgeschichte von Zukunftsromanen in Deutschland geben, die über Jahrzehnte hinweg populär waren.

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