Zwomal Außerirdische bitte!

Zwei neue Titel gibt es in unserem Programm, und bei beiden spielen Außeriridische eine wichtige Rolle. In Kurd Laßwitz‘ Sternentau reisen Wesen zu uns, die zunächst wie Planzen aussehen, sich aber dann als etwas ganz anderes entpuppen. Dagegen sind die Uraniden, die in Hans Dominiks Das Erbe der Uraniden auf der Venus bruchlanden, menschlich. Aber es  sind immerhin die ersten Außerirdischen überhaupt, die in Dominiks Romanen bis dahin vorkamen.

Mit einem Atombrand auf einer Insel im Pazifik setzt der phantastische Roman ein. Die Menschheit sieht die Erde bedroht. Radiomeldungen kommen von der Venus …

Verlagswerbung, Scherl Verlag 1934
Hans Dominik: Das Erbe der Uraniden
Hans Dominik: Das Erbe der Uraniden

Hans Dominik beschäftigte sich in Das Erbe der Uraniden zum ersten Mal mit Außeriridischen. In seinen früheren Zukunftsromanen — dieser erschien erstmals 1928 — ging es immer um hausgemachte, terrerstrische Zukunftstechnologien  — wenn auch manchmal ziemlich mystische. Die Geschichte beginnt mit einer Niederlage der sowjetischen Luftstreitkräfte. In diesem Roman nun tauchen sie zum ersten Mal auf. Ob sie in weiteren Romanen wieder erscheinen? Wir werden sehen.

Die bolschewistischen Revolutionäre hatten versucht Europa im Handstreich zu nehmen, was ihnen auch fast geglückt wäre. Die Kampfhandlungen hinterlassen allerdings schwere Schäden. Denn es wurden furchtbare Waffen eingesetzt, die eigentlich keine der Parteien nutzen sollte. Die Schäden sind so schwer, dass ein Weltbrand droht, der mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht mehr aufzuhalten ist.

In dieser brenzligen Situation werden Signale empfangen , die von der Venus stammen. Die Forscher der Welt schaffen es in einem Kraftakt, einen gemeinsame Kommunikationsbasis mit den Sendern der Signale zu schaffen. Es wird klar, dass es sich um außerirdische Besucher handelt.

Sofort setzt ein Wettlauf ein. Wer schafft es als erster zur Venus, um die Besucher aus fremden Welten zu begrüßen? Denn es scheint klar zu sein, dass diese über weit fortgeschrittene Technologien verfügen, die man dringend auf der Erde benötigt. Aber seltsamerweise schaffen es die Fremden nicht, auf die Erde zu kommen.

Daher werden Raumschiffe gebaut, eines in Südamerika, ein anderes unterstützt von den Vereinigten Staaten. Wer gewinnt diesen Wettlauf um das Schicksal der Menschheit?

Natürlich muß die Frage, ob die Pflanzen beseelt sind, um so schärfer hervortreten, wenn man, wie es der gewöhnlichen Vorstellungsweise angemessener ist, von einer Beseelung der ganzen Natur abstrahiert oder gar sie leugnet.

Gustav Theodor Fechner: Nanna oder über das Seelenleben der Pflanzen
Kurd Laßwitz: Sternentau
Kurd Laßwitz: Sternentau

Vielleicht nicht die Menschheit, aber vielleicht gewinnt der Planet, die Natur? Das führt uns zu der anderen Neuerscheinung, Sternentau: Die Pflanze vom Neptunsmond. Kurd Laßwitz kannte Fechners Werk gut und gab sogar dessen Titel Nanna oder über das Seelenleben der Pflanzen neu heraus. In Sternentau griff er diese Idee wieder auf.

In diesem Falle sind die Außerirdischen Wesen von einem Mond des Neptuns, die  unfreiwillig durch das All reisen, und zufällig auf der Erde landen. Da sie unseren Planeten im Pflanzenstadium erreichen, versuchen sie sich in das bestehende Ökosystem zu integrieren, und die ihnen fremde Welt kennzulernen. Die vernetzte, heimische Natur erkennt die Neuankömmlinge und akzeptiert sie.

Kompliziert wird die Lage als die Heldin Harda, zusammen mit Dr. Eynitz, die neue Pflanze findet und sie passenderweise Sternentau nennt. Dr. Eynitz erkennt sie als neue Gattung und möchte sie untersuchen. Harda, die sich aus der familiären Enge befreien möchte, um studieren zu gehen, brennt ebenso darauf, wissenschaftlich arbeiten zu können.

Allerdings lassen ihr die gesellschaftlichen Verpflichtungen einer Fabrikantentochter und amouröse Verwicklungen kaum Zeit dazu. So erkennen Harda und Eynitz erst spät, dass sie es beim Sternentau mit intelligenten Wesen zu tun haben. Als bei den Untersuchungen ein Exemplar getötet wird, kommt es zur Krise …

Obwohl Sternentau schon 1909 erstmals erschien, entwickelte Kurd Laßwitz eine Handlung, die sich auch heute noch bedenkenlos verfilmen ließe. Wahrscheinlich ist auch schon irgendwo ein Bio-Thriller in der Mache, der diesen Plot realisiert.