Luftschifferin Käthe Paulus

Automobil-Pioniere wie Clärenore Stinnes, die in den 1920ern die Welt mit dem Automobil umrundete, sind mittlerweile durch Dokumentarfilme wieder bekannter geworden. Bei den Luftschiffern – sprich Ballon- und Zeppelinschiffer – ist das anders. Daher hier eine kleine Erinnerung an die erste proefessionelle Luftschifferin Deutschlands, Käthe Paulus.

Deren relative Unbekanntheit mag auch an den verwendeten Technologien liegen. Autos mit lauten Verbrennungsmotoren sind immer noch im allgemeinen Gebrauch und Bewusstsein. Die relativ leise Ballon- und Zeppelin-Technologie wurden erst in jüngster Zeit wieder einer breiteren Öffentlichkeit ins Bewusstsein gerückt, etwa mit der Verwendung von Zeppelinen als Lastschiffe in Gebieten wo Flugzeuge nicht landen können, oder beim Aufbau von Internet-Infrastrukturen mit Stratosphären-Ballons.

Aber zurück zu Käthe Paulus. Oder besser Katharina Paulus (1868 – 1935), die sich Ende des 19. Jahrhunderts für die Ballonfliegerei begeisterte, und das Luftschiffern – inklusive Absprung aus dem Ballon via Fallschirm – von ihrem späteren Ehemann, Hermann Lattemann, lernte. Als Luftschiffer bezeichnete man diejenigen, die sich der Leichter als Luft-Fliegerei verschrieben hatten, also Ballone, und viel später Zeppeline.

Paulus schloß sich also Lattemann an, der davon lebte, seine Luftschifferkünste in Flugshows zu präsentieren. Als ausgebildete Schneiderin leistete sie zunächste ihren Teil der Arbeit bei der Instandhaltung der empfindlichen Ballonhüllen und Fallschirme. Natürlich war sie mehr am Fliegen interessiert, und so flog sie schließlich auch mit dem Ballon und sprang selbst mit dem Fallschirm ab. Auch als ihr Ehemann Lattemann bei einer solchen Ballon-Vorführung abstürzte und starb, raffte sie sich wieder auf und absolvierte bis 1914 erfolgreich Luftshows mit Ballon und Fallschirm.

Fallschirme waren zur Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert noch ganz neu. Käthe Paulus hatte aber genügend eigene Sprungerfahrung, und die konnte sie in die Erfindung der zusammenlegbaren Fallschirme, auch Paketfallschirme genannt, stecken. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges begann sie ihre Fallschirme für die Armee zu fertigen. Ihre Produktion hat vielen abgeschossenen Ballonaufklärern das Leben gerettet.

Zwischendurch versuchte sich Käthe Paulus auch mit Flugzeugen, nachdem ihr Fluglehrer aber selbst abstürzte, verzichtete sie auf das Schwerer als Luft-Fliegen mit lauten Motoren. Der Streit zwischen den  Leichter als Luft- und Schwerer als Luft-Fraktionen dauerte übrigens bis in das zweite Viertel des 20. Jahrhunderts an. Dann hatten die schwer motorisierten Flugzeuge gewonnen.