Hanns Heinz Ewers

3.11.1871 Düsseldorf – 12.6.1943 Berlin

Ewers wurde als Hans Heinrich geboren und legte sich die Vornamen Hanns Heinz erst später zu. Obwohl er aus einer künstlerisch geprägten Famile stammte und schon früh Gedichte verfasste, schätzte Ewers seine Zukunft 1888 eher sachlich ein, wenn auch ambitioniert:

Meine Zukunft wird übrigens gottvoll werden! Was dann, wenn das Abiturexamen gemacht ist? Was ich sonst wohl wollte, Jura studieren oder sonst was, da denke ich jetzt nicht mehr dran. Am liebsten möchte ich noch Kaufmann werden, oder irgendetwas, wobei man ein bißchen in dieser Welt sich umsehen kann, denn zum Literaten wirds wohl nicht kommen.

Quelle: Wilfried Kugel, Der Unverantwortliche

1891 begann er dann auch ein ungeliebtes Jura-Studium, das er 1898 mit Ach und Krach als Dr. jur. beendete. In diese Zeit fallen diverse Wechsel der Universitäten und Burschenschaften, und die Produktion weiterer Gedichte. Neben kleinen und großen Zwischenfällen ist Ewers in dieser Zeit auch in einen gerichtsnotorischen Skandal um die den damals in Deutschland populären Spiritismus, die Zeitschrift Sphinx, verwickelt, der u.a. zu seiner Entlassung aus dem Staatsdienst führte.

Hanns Heinz Ewers oder HHE, wie sein Name oft abgekürzt wurde, wandte sich mit der Promotion dann auch von der Juristerei ab. Ein triftiger Grund war für ihn die Verurteilung des von ihm bewunderten Schriftstellers Oscar Wilde wegen homosexueller Unzucht durch die britische Justiz.

Diese erste Phases seines Lebens hinter sich gebracht, begann HHE dann auch gleich mit ersten Veröffentlichungen. Es begann mit satirischen Texten für das Kabarett Überbrettl, in dem er auch auftrat. Ab 1903 wechselte Ewers zur Reiseschriftstellerei, wofür er bis zum Ersten Weltkrieg in mehreren großen Reisen u.a. den amerikanischen Kontinent, die Karibik, China und Indien bereiste.

Neben Reiseberichten veröffentlichte Ewers aber auch immer wieder fantastische Geschichten. So erschien zum Beispiel 1909 der erste Frank Braun-Roman, Der Zauberlehrling oder Die Teufelsjäger. Dieses alter ego von Ewers taucht dann 1911 wieder auf, in Alraune. Die Geschichte eines lebenden Wesens. Als wäre dies nicht schon genug, versuchte sich HHE auch am neuen Medium Film. Ab 1912 war er als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent in diesem Bereich erfolgreich.

Auf seiner fünften großen Reise wurde Ewers 1914 in New York vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs überrascht. Er blieb den Krieg über in den USA und warb dort im Auftrag des sogenannten Propaganda-Kabinetts um Sympathien für Deutschland. Im dritten Band der Frank Braun-Trilogie, Vampir. Ein verwilderter Roman in Fetzen und Farben, der nach seiner Rückkehr aus den USA 1920 erschien, verarbeitete Ewers diese Zeit. Er lässt seinen Protagonisten auf der Suche nach Sympathien durch die USA touren und berichtet über die Konflikte mit den US-Behörden, in die er dadurch geriet.

Geprägt von den Erlebnissen in den USA und der krisenhaften Entwicklung der Weimarer Republik, brach Ewers mit seiner bisherigen Umgebung und wandte sich zu Beginn der 1930er Jahre dem Faschismus zu. Dies erstaunte umso mehr, als Ewers vorher in regem Kontakt zu Persönlichkeiten wie Walther Rathenau, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der AEG und Reichsminister für Wiederaufbau, gestanden hatte. Auch hatte er in seinem Roman Vampir explizit über die Zusammengehörigkeit von Deutschen und Juden philosophiert.

Literarisch resultierte diese Wendung zuerst im Roman Reiter in deutscher Nacht, über einen Freikorps-Führer, der in den 1920er Jahren wegen Fememorden verurteilt worden war. Darauf folgte im selben Jahr, 1932, der Titel Horst Wessel. Ein deutsches Schicksal, über den ermordeten SA-Sturmführer Horst Wessel, der von der NSDAP zum Märtyrer aufgebaut werden sollte. 1933 verfilmte Ewers diesen Roman dann auch noch.

Seine Arbeit traf innerhalb der NSDAP aber nicht auf ungeteilte Gegenliebe, da sie sich nicht völlig der antisemitischen Parteilinie unterwarf. Der Horst Wessel-Film wurde verboten und umgeschnitten. Dem Buch erging es genauso, und schließlich landeten fast alle Werke von Ewers auf dem Index.

Nach dem Erlass der Nürnberger Gesetze 1935 unterstützte Ewers jüdische Freunde bei der Ausreise in die USA. Gleichzeitig versuchte er das Publikationsverbot aufheben zu lassen, was dazu führte, dass 1943, kurz nach seinem Tod, sein letztes Werk erschien, der Erzählband Die schönsten Hände der Welt.

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