Undum, interaktive Texte mit JavaScript

Als sich Und
um
zum ersten Mal in meinem Nachrichtenstrom verfing, war ich zugegebenermaßen nicht so ganz überzeugt. „Noch eine Möglichkeit, interaktive Geschichten im Web ablaufen zu lassen“, dachte ich mir, „und eine ziemlich einfach gestrickte dazu.“ Die Herablassung erklärt sich aus dem Vergleich mit dem schon vorher veröffentlichten Parchment.

Parchment ist ebenfalls ein JavaScript-Interpreter für interaktive Geschichten (IF), allerdings nur für solche, die mit Inform gemacht wurden. Die Maschinerie, die von Parchment unterstützt wird, ist ziemlich mächtig. Der Spieler/Leser kann mit direkter Dialogeingabe durch die vorgestellte Welt navigieren und allerlei manipulieren. Dazu kommt Unterstützung für Grafik und Sound. Und mit Inform gibt es auch noch eine komplette Autorenumgebung dafür.

Undum ist da völlig anders. Geht man das Einführungsspiel einmal durch, merkt man schnell, dass man eigentlich nur klicken kann. Im Stretchtext-Verfahren erscheinen dann neue Abschnitte der Geschichte. Kein direkter Dialog mit der Erlebniswelt, nur indirekte Manipulation über klickbare Verweise.

Auch die unterliegende Technik ist eine andere. Undum implementiert keine virtuelle Maschine wie Parchment, sondern besteht einfach aus einer HTML5-Seite mit CSS, in die JavaScript-Code (Undum selbst und jQuery) eingebettet ist. Damit erledigt sich die Frage nach einer Autorenumgebung: die normalen Web-Entwicklungswerkzeuge können genutzt werden.

In dieser Einfachheit liegt aber der Reiz und das Potential von Undum. Denn damit ist es für einen Autor möglich, so ziemlich jede Web-Technologie in seinen Text einzubauen, die dafür benötigt wird. Video, Musik, Diagramme, statisch oder interaktiv, alles was eine moderne Webseite so bietet wäre prinzipiell möglich. Die Unterstützung für Mobilgeräte ist auch da.

Undum gewährleistet eben einfach nur, dass der zugrunde liegende Text stückweise, enthüllt wird, indem der Leser klickt. Was innerhalb der einzelnen Blöcke oder Szenen („situations“) passiert, ist kein unmittelbarer Bestandteil von Undum. Man kann sich darauf beschränken, wie im Einführungsspiel, nur Text und Bilder anzuzeigen, oder man macht ein wenig mehr. Als Probe aufs Exempel habe ich ein YouTube-Video und eine Bibliothek für interaktive Gantt-Diagramme in einen undumiserten Text eingefügt. Das funktionierte tadellos.

Undum-Text mit interaktiven Elementen

Undum-Text mit interaktiven Elementen