Buch als App

Mag man ein digitales Buch veröffentlichen? Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, Formate, Wege. Einmal über die Buchschiene, bei der das Werk in EPUB oder Mobi formatiert, in einem der Stores landet (z.B. Amazon, Apple), oder von der eigenen Webseite aus vertrieben wird. Wie auch immer das Ding auf dem Rechner/Smartphone/Tablett landet, es wird auf jeden Fall ein Leseprogramm benötigt, um es zu lesen.

Der andere Weg wäre die Appschiene. Hier werden die Inhalte einfach in eine App gepackt, die dann als Container und Leseumgebung fungiert. Man benötigt kein externes Leseprogramm.

Die Buchschiene hat den Vorteil, dass man (theoretisch) unabhängig von der technischen Plattform des Lesers ist. Das jeweilige Leseprogramm sorgt für die Darstellung. (Derzeit gibt es damit noch Probleme, da die Standards und der Markt noch jung sind, aber das wird sich wohl mit der Zeit geben.) Dafür ist man durch den verwendeten Standard, z.B. EPUB, in seinen Möglichkeiten eingeschränkt.

Bei der Appschiene ist man dagegen in seinen Möglichkeiten frei, man kann die jeweilige Plattform, z.B. iOS oder Android, voll nutzen. Dafür muss man eben mehrere Versionen seiner App anbieten, wenn man verschiedene Plattformen mit seinen Produkten beglücken möchte.

Tipps dazu, wie man seine Werke als EPUB oder Mobi in die Welt bringt, gibt es einige. Wie steht es mit dem Buch als App? Ist das aufwendig? Um mir diese Frage zu beantworten, habe ich nach entsprechender Software gesucht.

Baker Ebook Framework

Ordnerstruktur eines Buchprojekts, Baker Framework

Ordnerstruktur eines Buchprojekts, Baker Framework

Das Baker Framework basiert auf HTML5/CSS/JS und ist darauf ausgerichtet, BuchApps für Apples iOS-Plattform zu erstellen. Das Framework ist quelloffene Software (BSD-Lizenz) und wird als XCode-Projekt zur Verfügung gestellt. Hat man keine besonderen Ambitionen, genügt es, die HTML-Inhalte in den bereit gestellten Dateiordner book einzufügen und zu kompilieren – fertig ist die BuchApp.In dem Order book findet sich alles, was man sonst für eine Webseite bereit stellen würde: HTML, CSS, Grafiken und alles weitere. Das Baker Framework stellt ihrerseits eine Anwendung bereit, die einen HTML-Browser erstellt und die initiale Inhaltsseite aufruft. Von da an ist das Buch auf die in den HTML-Seiten definierte Navigation, das Layout angewiesen. Das ist alles dem Benutzer/Autor überlassen.

Ordnerstruktur des Buchinhalts

Ordnerstruktur des Buchinhalts

Baker stellt gerade die Funktionalität bereit, die man unbedingt benötigt, um HTML-Bücher lesbar zu machen. Dazu gehören unter anderem die Unterstützung für vertikale und horizontale Orientierung, die Medien-Wiedergabe, oder der Umgang mit gezippten Büchern. Alles andere kann – und muss – der Anwender selbst nachtragen. Durch diesen Ansatz ist der Baker-Code sehr überschaubar, gerade mal 6,7 Klassen, man findet sich schnell ein. Benötigte Fähigkeiten kann man durch Rückgriff auf die iOS-APIs hinzufügen. Möcht man das nicht, kommt man mit einfachem Kompilieren der Anwendung aus. Fertig ist die BuchApp, die an den App Store geliefert werden kann.

Wie man sich sicher schon gedacht hat, ist dieses Prozedere nicht auf die Apple-Platform beschränkt, inzwischen gibt es auch Android-Versionen des Baker-Frameworks, in Java statt in Objective-C. Aus Zeitmangel konnte ich die nicht ausprobieren, Wer mag kann sich an beispielsweise BakerAndroid oder dem Friar-Framework versuchen.

Laker: Baker angereichert

Florian Frankes Laker basiert, wie der Name schon andeutet, auf dem Baker Framework. Laker beinhaltet eine leicht modifizierte Baker-Fassung, und fügt dem noch Strukturhilfen, CSS- und JS-Funktionalität hinzu, so dass die Erstellung gut gestalteter, multi-medialer Inhalte erleichtert wird. Der Einbezug von Less sorgt beispielsweise für adaptive CSS-Grids, die sich den Bildschirmgrößen der verschiedenen Endgeräte anpassen. Auch für die Silbentrennung oder eigene Schriften ist gesorgt. Damit erhält man auch ohne großes Zutun schon Inhalte, die für den Konsum im iPhone oder iPad gestaltet sind.

Die Vorgehensweise ist hier dieselbe wie bei Baker. Man erhält ein fertiges XCode-Projekt, dass man noch durch die eigenen Inhalte ergänzt. Aufgrund der mitgelieferten CSS- und JS-Bausteine kann die Einarbeitung etwas länger dauern. Die meisten dürften webkundigen Benutzern aber ohnehin bekannt sein. Auch hier erhält man durch einfaches Übersetzen des Projekts die fertige App, die dann ausgeliefert werden kann.

 

Gestaltung im Vergleich, Baker und Laker im iPad-Simulator

Gestaltung im Vergleich, Baker und Laker im iPad-Simulator

Mehr Frameworks, mehr Funktionalität

Die Mischung aus einem App-Grundstock mit HTML- bzw. JS-Oberfläche oder -Funktionalität hat die Entwickler schon früh fasziniert. Schließlich erhält man damit einerseits Zugriff auf alle Fähigkeiten, die ein native Anwendung auf dem Smartphone oder Tablett-Rechner so haben kann, und kann andererseits die Oberfläche und die Geschäftsfunktionalität so im HTML-Teil kapseln, dass sie auf anderen Plattformen wieder verwendet werden kann. Dementsprechend gibt es eine ganze Reihe von Anbietern mit entsprechenden Komponenten.

Eine davon ist PhoneGap, ein quelloffenes Mobil-Framework, für das auch kommerzielle Unterstützung angeboten wird. PhoneGap hat im Vergleich zu Baker den Vorteil, dass es nicht nur iOS abdeckt, sondern auch Android, Windows, usw. Kombiniert mit einem ebenfalls plattform-übergreifenden JavaScript-Framework wie Sencha Touch erhält man eine Marktabdeckung für seine BuchApp, die der der EPUB-Variante ähnlich sein dürfte. Dazu hat man die gesamte Funktionsbreite einer mobilen Anwendung zur Verfügung, muss sich also nicht auf das Aussehen und die Fähigkeiten eines klassischen Buchs beschränken.

Welche Möglichkeiten einem da offen stehen, das beschreibt zum Beispiel Jonathan Stark für iOS und Android: