Courbet muss ohne Bilder auskommen

Wieso muss der arme Courbet auf dem Kindle bloß ohne Bilder auskommen?

Ressortliste der Kindle-Ausgabe der FAZ

Das Ganze begann eines Sonntags als mein Vater – FAZ-Abonnent (Druck) solange ich denken kann – sich meinen neuerworbenen Amazon Kindle griff, und sich anschauen wollte, wie seine Tageszeitung als digitale Ausgabe aussah. Ich ging dann kurz raus und als ich wiederkam bekam ich das Gerät mit einem „Nein, so nicht“ zurück, kurz und bündig. Da war die Kindle-Ausgabe der FAZ beim Abonnenten durchgefallen.

Die Abonnements von Zeitungen und -schriften sind bei Amazon mit einer zweiwöchigen kostenlosen Testphase verbunden. Also beschloss ich die FAZ mal auf dem Kindle zu lesen. Vielleicht lag es ja nur am Generationsunterschied. Tat es aber nicht, für $27,99 im Monat bekommt man wirklich nur eine reduzierte Druckausgabe auf seinen Kindle geschoben.

Dabei fing es so schön an. Der Kauf von Periodika für den Kindle ist einfach. Man kann sie als Einzelausgaben oder als Monats-Abo kaufen. Im Falle des Abos bekommt man die Ausgaben täglich automatisch auf den Kindle übertragen – Netzverbindung natürlich vorausgesetzt. Ältere Ausgaben werden in einem separaten Ordner  (Periodicals: Back Issues) gesammelt, bleiben also verfügbar. Jedes Abo ist mit der schon erwähnten Testphase verbunden, innerhalb der man sich jederzeit abmelden kann, was ich dann auch getan habe. Das funktionierte alles ganz tadellos. Nur am Inhalt haperte es.

Das es da Probleme geben könnte, kann man allerdings schon beim Lesen der betreffenden Amazon-Seiten merken. Im Kindle-Shop  gibt es regelmäßig diesen schönen Satz zu lesen:

„Newspapers and magazines may not include photos and other images.“

Das beruht nicht auf technischen Problemen, der Kindle kann natürlich Bilder darstellen, sondern es geht vermutlich um Bildrechte.  Beim Lesen der Kindle-Ausgabe der FAZ merkt man schnell, dass diese Einschränkung zutrifft.

Beginn des Courbet-Artikels bei FAZ.NET

Beginn des Courbet-Artikels bei FAZ.NET

Da las ich beispielsweise diese Austellungsbesprechung zu Courbet, die in der Druckausgabe natürlich mit einer großformatigen, farbigen Abbildung versehen war. Auch die Web-Version des Artikels war mit Abbildungen versehen, und auch mit weiterführenden Verweisen, wie es sich für das Web gehört. Soweit so gut, aber die Kindle-Version desselben Artikels war eine herbe Enttäuschung. Kein Courbet-Bild weit und breit, aber auch keine Verweise, die das vielleicht hätten wett machen können. Da wird einem einfach nur der Text des Artikels präsentiert, sonst nichts. So als wäre der Kindle nicht HTML-basiert, als wäre er kein vernetztes Gerät.

Beginn des Courbet Artikels in der Kindle-Ausgabe der FAZ

Beginn des Courbet Artikels in der Kindle-Ausgabe der FAZ

Aber die Reduktion beschränkt sich nicht nur auf Bilder. Beim Durchsehen der Ausgaben habe ich auch keine Tabellen oder Diagramme gefunden. Man bekommt wirklich nur den reinen Text serviert. Dementsprechend fühlt sich die Kindle-Ausgabe der FAZ an wie ein früher RSS-Feed. Da beschränkte man sich auch auf reinen unformatierten Text. Auch die sonstige Aufmachung scheint darauf hinzudeuten, dass die Kindle-Edition wohl eine Art von Zweit- oder Dritt-Verwertung ist. Jeder Artikel wird mechanisch mit der Wortzahl eingeleitet (interessiert mich das? „Wörter“ übrigens kleingeschrieben) und mit Copyright-Angaben beendet. So  als wüsste der Leser nicht, dass er gerade die FAZ auf seinem Kindle liest. Wenn das dem Kopierschutz dienen soll – man kann sich auf dem Kindle nämlich Textstellen oder ganz Artikel ausschneiden und merken – dann könnte man das auch eleganter lösen, indem man beispielsweise das Copyright, beim Kopiervorgang anfügt. Aber dazu hätte man sich etwas Mühe geben müssen.

Ich bin mir sicher, dass es nicht ganz einfach ist, eine Zeitung für Geräte wie den Kindle heraus zu bringen. Das Bildschirmformat ist eher an Taschenbüchern orientiert, und die verwendete HTML-Untermenge (Mobipocket) engt ein. Zudem orientiert sich das derzeitige Kindle-Angebot nur am englischsprachigen Markt. Vielleicht, oder hoffentlich, liegt es ja an den geringen Verdienstaussichten, dass man mit einer so lieblos gemachten Ausgabe abgespeist werden soll.  Aber neue Leserschichten wird man sich damit nicht erobern. Zurück zu meinen RSS-Feeds, die sind besser gemacht.