Antiquierte Vorlage Buch: Verzeichnisse

Bei einigen Verlagen ist der Übergang zum elektronischen Buch immer noch in vollem Gange. Wie schwierig der Übergang in den Köpfen zu sein scheint, sieht man besonders an den EPUB-Fassungen der jeweiligen Publikationen.

Häufig wird ja ein Text dort in mehreren Formaten produziert, und neben PDF hat nun eben auch EPUB hinzugenommen. Was ja an sich kein Problem ist. Die Probleme mit EPUBs resultieren wohl eher aus der Vorstellung der Produzenten darüber, welches Format denn den Text am Besten repräsentiert, sozusagen der Urtext ist. In leider zu vielen Fällen ist dies anscheinend immer noch das gedruckte Buch.

Ein schönes Beispiel dafür sind die Verzeichnisse. Verzeichnisse, vom Inhaltsverzeichnis bis zu der Liste der Abbildungen, haben im Buchdruck eine lange Tradition und vor allem einen Zweck. Nämlich den, mangels Suchmöglichkeiten und aktiver Hypertextverweise das Auffinden bestimmter Inhalte möglich zu machen. Insofern man PDF als ein Zwitterformat ansieht, als Möglichkeit statische Buchinhalte elektronisch verfügbar zu machen, dann mögen solche Verzeichnisse auch da einen Sinn haben. Bei Formaten wie EPUB sollte man es aber besser lassen.

Zweistellige Verzeichnisgrößen auf dem iPhone

Zweistellige Verzeichnisgrößen auf dem iPhone

Formate wie EPUB wurden für die Nutzung im Netz gedacht, dort stehen im Prinzip alle Möglichkeiten zur Verfügung, die auch eine normale HTML-Seite hat. Es kann nach Herzenslust gesucht und geklickt werden. Wozu benötigt man da lange Verzeichnislisten?

Die recht kleinen Displaygrößen machen Verzeichnisse leicht zu Textblöcken mit zweistelligen Seitenzahlen. Dazu kommt die Übernahme des Drucklayouts, das durch seine visuelle Gliederung zu absurden Ergebnissen führt.

Absurde
s Drucklayout für Verzeichnisse

Absurdes Drucklayout für Verzeichnisse

EPUB beinhaltet diverse Verzeichnisse, direkt in der Formatspezifikation. Die Leseprogramme zeigen die auch an. Warum also noch viele Platz durch 20-seitige Verzeichnisse verschwenden?

Eingebaute Verzeichnisanzeige bei EPUB

Eingebaute Verzeichnisanzeige bei EPUB

Gerade wenn man in mehreren Formaten publiziert, sollte man sich jetzt gründlich überlegen, welches Format man seinen Überlegungen zugrunde legt. Eigentlich kann es nicht mehr das gedruckte Buch sein. Denn verglichen mit den Interaktionsmöglichkeiten der elektronischen Formate ist der Druck ja nun sehr, sehr statisch. Orientiert man sich daran, bekommt man immer den kleinsten gemeinsamen Nenner, siehe oben. Würde man sich aber z.B. an EPUB orientieren, könnte man statische Fassungen wie Druck oder PDF durch Weglassen der interaktiven Eigenschaften bekommen, ohne die mächtigeren Formate zu beschränken.

Vielleicht führt das mal zu elektronischen Büchern, die die vorhandenen Möglichkeiten auch nutzen.